Blogserie Nachhaltigkeit to go, Siegel & Zertifikate Lieferkette

Nachhaltigkeit To Go: Erste Orientierung in der Lieferkette für KMU – Zertifikate, Standards, Siegel und Co.

Blog für praxisorientiertes Wissen und Erfahrungen zur Förderung von mehr Nachhaltigkeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).


In der Blogserie „Nachhaltigkeit To Go“ erhältst Du praxisorientierte Tipps und Strategien, um nachhaltige Maßnahmen erfolgreich in Deinem Unternehmen umzusetzen. Jeder Beitrag bietet leicht verständliche Anleitungen, konkrete Beispiele und hilfreiche Vorlagen, die nicht nur helfen, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sondern auch die gesetzlichen Berichtspflichten effizient zu erfüllen und gleichzeitig Eure Unternehmenskultur zu stärken.

Einführung Zertifikate, Siegel & Co. – Einstieg für die Analyse von Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Nachhaltigkeit in der eigenen Lieferkette konkret umzusetzen? Klingt erstmal wie ein riesiges Projekt, ist aber mit dem richtigen Einstieg und Überblick über Standards, Zertifikate und Siegel machbar – und (fast) jede gut gestellte Frage bringt dich weiter! Mit aussagekräftigen Nachweisen, klaren Bewertungsfragen und dank einiger Listen anerkannter und klar beschriebener Zertifikate, Standards und Siegel in der Lieferkette lässt sich der Nebel lichten, der viele Unternehmen noch zögern lässt. Dieser Beitrag soll dir eine erste Übersicht zu gängigen Zertifikaten, Standards und Siegeln geben, sowie dank hilfreicher, guter Fragen aus der Green Claims Richtlinie eine konkret anwendbare Methodik geben. Der Beitrag baut außerdem auf folgendem Blogbeitrag auf: https://sarahnock.de/nachhaltigkeit-to-go-nachhaltige-lieferkette-kmu/.

Warum solltest Du Deine Lieferkette auf Nachhaltigkeit prüfen?

Die externe Lieferkette ist ein elementarer Bestandteil deines Unternehmens und auch deiner Nachhaltigkeitsstrategie. Sie ist der Teil deiner Wertschöpfungskette, in den du am wenigsten Einblick hast und nur schwer Einfluss nehmen kannst. Eine strukturierte Herangehensweise an das Thema macht eine erste Analyse und Prüfung deiner Lieferkette möglich und je früher du deine Prozesse und Partner prüfst, desto besser – für Risikomanagement, Innovationskraft und messbare Nachhaltigkeit.

Der Green Deal und Regelwerke wie die CSRD oder die Green Claims Richtlinie haben zum Ziel mehr Transparenz zu schaffen und damit Unternehmen Instrumente an die Hand zu geben, um nachhaltiger zu werden. Sie sorgen aber auch an vielen Stellen für Unsicherheit. Oftmals gestellte Fragen sind:

  • Was ist wirklich „nachhaltig“?
  • Wie erkenne ich Greenwashing in der Lieferkette?
  • Welche Zertifikate zählen überhaupt bzw. sind vertrauenswürdig?

Die Green Claims-Methode: Fragen, die den Unterschied machen

Die Green Claims Richtlinie der EU soll hier konkrete Hilfestellungen leisten Greenwashing zu erkennen. Sie bietet darüber hinaus gute, simple Methodiken, die es erlauben Aussagen zu überprüfen und echte Nachweise zu beschaffen. Ganz nach dem Motto: kein „Umweltfreundlich“ oder „Klimafreundlich“-Label ohne Beleg!

Typische Bewertungsfragen, die dir helfen einen Lieferanten und seine Aussagen einzuordnen:

  • Ist die Aussage konkret, wahr und nicht irreführend?
  • Gibt es wissenschaftliche, unabhängige (substantiierte) Nachweise?
  • Ist die Kommunikation produktnah, verständlich und leicht zugänglich?

Gleichzeitig lassen sich typische Greenwashing-Anzeichen wie folgt gut erkennen:

  • Vage Aussagen, die sich nicht belegen lassen. Z.B.: „Wir sparen Wasser“ ohne konkrete messbare Kennzahlen, wieviel und in welchem Zeitraum durch welche Maßnahmen Wasser gezielt eingespart wurde.
  • Einzelne Leuchtturm-Produkte statt transparenter Lieferkette. Z.B. Projekte in fernen Ländern, die im Kern nichts mit dem Unternehmenszweck und der Produkt- & Dienstleistungsprozessen zu tun haben.
  • Unbekannte, unternehmenseigene Siegel (keine unabhängige Prüfstelle). Beispiel: Amazons „Climate Pledge Friendly“-Siegel: Amazon vergibt eigene Nachhaltigkeitssiegel für Produkte, entscheidet selbst, welche externen Zertifikate anerkannt werden, und nutzt teils wenig transparente oder selbstgewählte Siegel. 
  • Keine Offenlegung von Lieferanten oder Produktionsbedingungen. Unternehmen, die auf Anfrage nach ihren wichtigsten Lieferanten oder Produktionsstandorten keine oder nur unvollständige Informationen herausgeben, demonstrieren mangelnde Transparenz und machen eine unabhängige Prüfung unmöglich.

Die wichtigsten Standards, Zertifikate & Siegel – Schnellüberblick für die eigene Lieferkette

Nachfolgend vertrauenswürdiger Siegel, Zertifikate und Standards, die du für deine erste Lieferantenbewertung und Lieferketten-Analyse nutzen kannst:

  • Umwelt, Textilien & Produkte:
    • EU Ecolabel (EU-Umweltzeichen): Umweltzeichen für zahlreiche Produktgruppen. Zeigt, dass ein Produkt umweltfreundliche Anforderungen der EU erfüllt, von Rohstoffen bis Entsorgung. (https://eu-ecolabel.de/)
    • Blauer Engel: Deutsches Umweltzeichen, auch EU-weit anerkannt. Signalisiert hohe Standards für Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutz bei Produkten und Dienstleistungen. (https://www.blauer-engel.de/de)
    • Grüner Knopf: Siegel für nachhaltige Textilien. Kennzeichnet Textilien, die Sozial- und Umweltstandards entlang der gesamten Lieferkette erfüllen. (https://gruener-knopf.de/)
    • EU-Bio-Siegel: Für ökologisch produzierte Lebensmittel. Auszeichnung für Lebensmittel, die nach EU-Öko-Verordnung erzeugt wurden, mit strengen Standards für biologische Landwirtschaft. (https://agriculture.ec.europa.eu/farming/organic-farming/organic-logo_en)
    • EU-Energielabel: Energieeffizienz-Kennzeichnung für Elektrogeräte. Stuft Geräte nach ihrem Stromverbrauch ein und erleichtert nachhaltige Kaufentscheidungen. (https://europa.eu/youreurope/business/product-requirements/labels-markings/energy-labels/index_de.htm)
    • REDcert-EU (Biomasse/Biokraftstoffe): Zertifizierung für nachhaltige Biomasse und Biokraftstoffe. Bescheinigt, dass Biomasse und Biokraftstoffe nachhaltig und nach EU-Normen produziert werden. (https://www.redcert.org/)
    • GOTS (Global Organic Textile Standard):  Internationaler Standard für ökologische Textilien. Steht für biologisch erzeugte Textilfasern und faire, umweltfreundliche Produktion weltweit. (https://global-standard.org/)
    • FSC-Siegel (Forest Stewardship Council): Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft, oft bei Papier. Papierprodukte stammen aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern, um ökologische und soziale Standards zu sichern. (https://fsc.org/de)
    • Fairtrade-Siegel: Sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Produktion, v.a. für Lebensmittel und Textilien (https://www.fairtrade.net/de-de.html)
    • Cradle to Cradle Certified: Bewertung der Umwelteffektivität eines Produkts nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft. (https://c2ccertified.org/)

  • Gebäude & Bau
    • DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen): Ganzheitliches Gebäude- und Quartiers-Zertifikat mit Lebenszyklusbetrachtung. (https://www.dgnb.de/de/)
    • BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen): Nachhaltige Bauprojekte der öffentlichen Hand im Fokus.(https://www.bnb-nachhaltigesbauen.de/)
    • QNG (Qualitätssiegel Nachhaltige Gebäude): Staatliche Voraussetzung für Fördermittel, bescheinigt nachhaltigen Neubau und Sanierung. (https://www.nachhaltigesbauen.de/)

  • Branchenspezifisches:
    • Hier lohnt jeweils eine eigene kurze Recherche, da viele Branchen-Verbände bereits große Zertifikate, Siegel und Berichtsformate auf die Besonderheiten der eigenen Branche angepasst haben (Stichwort: Wesentlichkeitsanalyse).
    • Viele Branchen haben zudem eigene Siegel und Zertifikate für spezielle Produktkategorien oder Dienstleistungen.

Übersicht Standards & Zertifikate zum Thema Nachhaltigkeit

Hier eine weitere Übersicht zu gängigen Standards und Zertifikaten (Quelle: https://plant-values.de/siegel-zertifikate-und-nachweise-nachhaltigkeit-in-unternehmen/?amp=1):

Übersicht gängiger Lebensmittel- / Bio-Siegel im Vergleich

Eine Übersicht, die die Vielfalt an Bio-Siegeln etwas einordnet (Quelle: https://www.bund.net/massentierhaltung/haltungskennzeichnung/bio-siegel/):

So gehst Du in der Praxis vor – Erste Schritte

  1. Status Quo analysieren: Lieferanten und Produkte hinterfragen, echte Nachweise anfordern, Daten sammeln.
  2. Mit einer Liste arbeiten: Fokussiere auf anerkannte Zertifikate, Standards & Siegel und prüfe deren Anforderungen.
  3. Green Claims Fragen stellen: „Was macht die Lieferkette tatsächlich nachhaltiger?“
  4. Regelmäßige Updates und Audits einplanen: Nachhaltigkeit ist ein Prozess, keine Einmalmaßnahme.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit in der Lieferkette findest du in diesem Beitrag: https://sarahnock.de/nachhaltigkeit-to-go-nachhaltige-lieferkette-kmu/

Fazit

Mit Green Claims-Fragen, anerkannten Siegeln, Standards und Zertifikaten erhältst Du eine praktische erste Orientierung – und vermeidest den typischen Nebel aus Greenwashing und Unsicherheit. Prüfe deine Lieferanten, fordere Nachweise und mache Nachhaltigkeit in der Lieferkette konkret – Schritt für Schritt.


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