Blog für praxisorientiertes Wissen und Erfahrungen zur Förderung von mehr Nachhaltigkeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).
In der Blogserie „Nachhaltigkeit To Go“ erhältst Du praxisorientierte Tipps und Strategien, um nachhaltige Maßnahmen erfolgreich in Deinem Unternehmen umzusetzen. Jeder Beitrag bietet leicht verständliche Anleitungen, konkrete Beispiele und hilfreiche Vorlagen, die nicht nur helfen, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sondern auch die gesetzlichen Berichtspflichten effizient zu erfüllen und gleichzeitig Eure Unternehmenskultur zu stärken.
Einführung – Update November 2025
Nachhaltigkeit und steuerliche Vorteile clever kombinieren: Unternehmen stehen oftmals vor der Herausforderung, attraktive Benefits für Mitarbeitende anzubieten, die nicht nur die Motivation steigern, sondern auch nachhaltig und kosteneffizient sind. Dieser Blogbeitrag zeigt praxisorientierte Beispiele und konkrete Umsetzungsschritte für nachhaltige und steueroptimierte Benefits für Dein Team.
Warum sind nachhaltige Benefits wichtig?
Nachhaltige Benefits sind ein zentraler Bestandteil moderner Arbeitgebenden. Sie machen Unternehmen attraktiv für neue Talente und binden bestehende Mitarbeitende langfristig. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Beitrag zur Erreichung unternehmerischer Nachhaltigkeitsziele. Gerade in Branchen mit hohem Wettbewerb um Fachkräfte sind Benefits, die gleichzeitig nachhaltig und steuerlich optimiert sind, ein Vorteil. Mitarbeitende schätzen Benefits, die nicht nur ihren Geldbeutel entlasten, sondern auch nachhaltig und zukunftsorientiert sind. Ob es sich um ein Jobticket, Fahrrad-Leasing oder Zuschüsse für nachhaltige Gesundheitsangebote handelt – viele Benefits stärken das Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit und fördern eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen.
Vorteile für Unternehmen
- Wirtschaftliche Vorteile: Steuerfreie oder steuervergünstigte Leistungen wie Jobtickets oder Sachbezüge entlasten die Lohnnebenkosten und sparen so Kosten. Sie sind attraktiver als reine Gehaltserhöhungen, da sie ohne zusätzliche Steuerlast direkt bei den Mitarbeitenden ankommen.
- Kulturelle Vorteile: Unternehmen, die nachhaltige Benefits anbieten, zeigen Verantwortung – sowohl für ihre Mitarbeitenden als auch für die Umwelt. Sie fördern eine Unternehmenskultur, die sich durch Werte wie Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung auszeichnet. Das stärkt die Arbeitgebendenmarke und verbessert die Zufriedenheit und Bindung an das Unternehmen.
- Wertschätzung zeigen: Gerade zum Jahresende sind Benefits bzw. einmalige Zusatzleistungen besonders wertvoll, um Mitarbeitenden Wertschätzung zu vermitteln und sie gleichzeitig in der meist kostenintensiven Feiertagszeit zu unterstützen.
Vorteile für Mitarbeitende
Mitarbeitende profitieren von nachhaltigen Benefits in mehrfacher Hinsicht.
- Finanzielle Entlastung: Steuerfreie Leistungen wie Jobtickets, Zuschuss Erholungsurlaub oder Homeoffice-Pauschalen kommen direkt im Geldbeutel an.
- Flexibilität: Mobilitätsangebote wie Fahrrad-Leasing oder Zuschüsse für öffentliche Verkehrsmittel erleichtern den Arbeitsweg und können auch privat genutzt werden.
- Nachhaltigkeit: Mit vielen unten genannten Benefits tragen Mitarbeitende aktiv zu Nachhaltigkeit bei – ein zusätzlicher Motivationsfaktor.
Beispiele für nachhaltige und steueroptimierte Benefits
1. Jobtickets und Mobilitätszuschüsse
- Maßnahme: Unternehmen übernehmen die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel, entweder vollständig oder teilweise, oder stellen ein steuerfreies Jobticket nach § 3 Nr. 15 EStG zur Verfügung. Mehr dazu:
https://www.haufe.de/thema/jobticket/ - Vorteil für das Unternehmen: Steuerliche Vorteile durch den Abzug der Zuschüsse; Reduzierung von Pendlerkosten in der Lohnverrechnung. Gleichzeitig wird die Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel gefördert, was positiv auf die Nachhaltigkeits-Bilanz einzahlt.
- Vorteil für Mitarbeitende: Erhebliche Einsparungen bei den Pendelkosten; weniger Stress durch Nutzung des ÖPNV und aktive Unterstützung eines nachhaltigen Mobilitätsverhaltens.
2. Fahrrad-Leasing
- Maßnahme: Mitarbeitende leasen ein Fahrrad oder E-Bike über das Unternehmen. Diese Maßnahme wird steuerlich begünstigt und ist ein attraktiver Benefit für den Arbeitsweg oder private Nutzung. Mehr dazu: https://www.finanztip.de/dienstfahrrad/ und hier: https://www.jobrad.org/wissen/dienstrad-versteuerung
- Vorteil für das Unternehmen: Einsparung von Sozialabgaben bei Gehaltsumwandlung; Förderung nachhaltiger Mobilität und positiver Außenwirkung bei Mitarbeitenden und externen Stakeholdern.
- Vorteil für Mitarbeitende: Zugang zu hochwertigen Fahrrädern zu günstigen Konditionen; Förderung der Gesundheit und Reduzierung von Verkehrskosten, insbesondere bei steigenden Treibstoffpreisen.
3. Homeoffice-Pauschale
- Maßnahme: Unternehmen unterstützen Mitarbeitende bei der Einrichtung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes, z. B. durch Zuschüsse für ergonomische Möbel oder energieeffiziente Technik.
- Vorteil für das Unternehmen: Einsparung von Kosten für Büroflächen und Energieverbrauch; Steigerung der Produktivität durch bessere Arbeitsbedingungen im Homeoffice. Zudem gibt es Möglichkeiten für Kostenerstattungen: https://vesting-stb.de/arbeitgebererstattung-homeoffice%3A-was-kann-dieser-steuerfrei-und-sozialversicherungsfrei-erstatten/uebernehmen%3F
- Vorteil für Mitarbeitende: Finanzielle Unterstützung bei der Ausstattung des Homeoffice; Förderung eines komfortablen und produktiven Arbeitsumfelds. Informationen zu Steuervorteilen für Arbeitnehmende in der Steuererklärung finden sich hier: https://www.finanztip.de/haeusliches-arbeitszimmer/
4. Digitale Essensmarken bzw. Zuschüsse
- Maßnahme: Bereitstellung von steuerfreien Essenszuschüssen in Form digitaler Gutscheine, die Mitarbeitende bei nachhaltigen Anbietern (z. B. Bio-Caterer, regionale Restaurants) einlösen können.
- Vorteil für das Unternehmen: Steuerliche Vorteile durch die Nutzung von Sachbezügen (bis zu 6,67 € pro Arbeitstag steuerfrei, mehr dazu hier: https://www.haufe.de/personal/hr-management/mitarbeiterverpflegung/essenszuschuss-als-steuerfreier-benefit_80_578624.html). Förderung der Gesundheit und Nachhaltigkeit im Arbeitsalltag.
- Vorteil für Mitarbeitende: Reduzierung der täglichen Verpflegungskosten; Zugang zu gesunden und nachhaltigen Ernährungsoptionen.
5. Gesundheitsförderung
- Maßnahme: Finanzielle Unterstützung für nachhaltige Gesundheitsangebote, wie Yoga-Kurse, Fitnessstudio-Mitgliedschaften oder Entspannungskurse, steuerfrei bis zu 600 € pro Jahr (§ 3 Nr. 34 EStG). Mehr dazu hier: https://www.haufe.de/personal/entgelt/gesundheitsfoerderung-durch-den-arbeitgeber_78_509602.html und hier mit vielen konkreten Beispielen erläutert: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/betriebliche-gesundheitsfoerderung.html
- Vorteil Unternehmen: Reduzierung krankheitsbedingter Ausfälle; Steigerung der Mitarbeitendenzufriedenheit durch aktive Unterstützung des Wohlbefindens.
- Vorteil Mitarbeitende: Förderung der physischen und mentalen Gesundheit; Zugang zu Angeboten, die für eine nachhaltige Lebensweise inspirieren und motivieren.
6. Betriebliche Zahnzusatzversicherung
- Maßnahme: Die betriebliche Zahnzusatzversicherung ist eine Gruppenversicherung, die der Arbeitgeber für seine Mitarbeitenden abschließt. Sie ergänzt die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung im Bereich Zahnmedizin (z. B. Zahnersatz, Zahnbehandlung, Prophylaxe) und wird meist ohne Gesundheitsprüfung und ohne Wartezeiten angeboten. Die Beiträge werden vom Arbeitgeber übernommen. https://www.finanztip.de/krankenversicherung/betriebliche-krankenversicherung/
- Vorteil Unternehmen: Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber und bessere Mitarbeiterbindung, da Zusatzleistungen im Vergleich zu Wettbewerbern ein Alleinstellungsmerkmal darstellen. Reduzierung von Fehlzeiten durch bessere Gesundheitsversorgung und Prävention, was die Produktivität erhöht und Produktionsausfälle verringert. Die Beiträge können als Betriebsausgaben abgesetzt werden und sind bei größeren Unternehmen oft lohnsteuerlich günstig zu pauschalieren.
- Vorteil Mitarbeitende: Erweiterte medizinische Versorgung im Bereich Zahnmedizin (z. B. höhere Erstattungssätze für Zahnersatz, professionelle Zahnreinigung, ggf. Kieferorthopädie). Keine Gesundheitsprüfung und keine Wartezeiten – auch Mitarbeitende mit Vorerkrankungen oder fehlenden Zähnen sind versichert. Keine oder geringe Eigenbeteiligung, da der Arbeitgeber die Beiträge übernimmt; oft ist auch die Mitversicherung von Angehörigen möglich.
Spezial: Kostengünstige Zusatzleistungen zum Jahresende
- Sachbezüge bis 50 Euro: Überreichen eines steuerfreien Gutscheins (z. B. Tank- oder Einkaufs-Gutschein). Weitere Infos dazu: https://www.lexware.de/wissen/mitarbeiter-gehalt/sachbezugswerte-2024-diese-grenzen-gelten-aktuell/
- Weihnachtsgeschenke: Kleine Präsente, z. B. Pralinen, Wein oder personalisierte Artikel (steuerlich als Betriebsausgabe absetzbar). Infos dazu: https://www.fuer-gruender.de/wissen/unternehmen-fuehren/buchhaltung/mitarbeitergeschenke/ und hier: https://www.steuern.de/geschenke-arbeitnehmer
- Zusatzurlaubstage: Gewährung von 1-2 zusätzlichen Urlaubstagen, unbezahlt. Steuerliche Details dazu: https://www.haufe.de/personal/entgelt/lohnsteuerliche-behandlung-von-unbezahltem-urlaub_78_128474.html
- Verlosung oder Prämien: Organisation einer kleinen Jahresend-Verlosung mit Sachgeschenken oder Gutscheinen. Alle notwendigen Voraussetzungen: https://www.haufe.de/personal/haufe-personal-office-platin/verlosung_idesk_PI42323_HI2721215.html
- Erholungsbeihilfe: freiwilliger Zuschuss bis 156€ des Arbeitgebenden zu Erholungskosten eines Arbeitnehmenden. Alle Regeln: https://www.haufe.de/personal/haufe-personal-office-platin/erholungsbeihilfen_idesk_PI42323_HI2721049.html
Schritt-für-Schritt Anleitung zur Implementierung nachhaltiger Benefits
- Schritt 1 – Analyse der Mitarbeitendenbedürfnisse: Starte mit einer Umfrage unter deinen Mitarbeitenden. Finde heraus, welche Benefits sie sich wünschen und wie wichtig ihnen Nachhaltigkeit ist.
- Schritt 2 – Prüfung der steuerlichen Rahmenbedingungen: Arbeite mit Steuerberatern oder HR-Experten zusammen, um die steuerlichen Vorteile und rechtlichen Rahmenbedingungen zu analysieren und voll auszuschöpfen. Definiere konkrete Einsparziele.
- Schritt 3 – Definition nachhaltiger Benefits: Wähle Benefits aus, die zu den Werten deines Unternehmens passen und gleichzeitig den Bedürfnissen der Mitarbeitenden entsprechen.
- Schritt 4 – Kommunikation und Einführung: Kommuniziere die neuen Benefits klar und verständlich, z. B. über interne Newsletter oder Team-Meetings.
- Schritt 5 – Evaluierung und Anpassung: Überprüfe regelmäßig, wie gut die angebotenen Benefits ankommen – z.B. im Rahmen einer jährlichen Mitarbeitenden-Umfrage und passe sie bei Bedarf an.
- Schritt 6 – Fortschritt dokumentieren: halte Ziele der Evaluierung und die Maßnahmen fest, dokumentiere die umgesetzte Maßnahmen und erreichte Ergebnisse bzw. Ziele. Diese Dokumentation sichert den NAchweis für die Nachhaltigkeitsberichtserstattung.
Tipp für Berichtspflicht
Nachhaltig ausgerichtete Benefits eignen sich hervorragend, um in Nachhaltigkeitsberichten dokumentiert zu werden. Beispiele für Kennzahlen (KPI’s), die berichtet werden können:
- Anteil der Mitarbeitenden, die Jobtickets oder andere nachhaltige Leistungen nutzen.
- CO₂-Einsparungen durch Fahrrad-Leasing.
- Beträge, die in nachhaltige Gesundheitsförderung investiert wurden.
Diese Daten können die unternehmerische Nachhaltigkeitsstrategie untermauern und auch in der Kommunikation mit Stakeholdern genutzt werden.
Meine persönliche Erfahrung mit Benefits
Im Umgang mit diesem Thema habe ich vorallem folgende Erkenntnisse mitgenommen:
- eine Umfrage vor der Auswahl oder Beschaffung von Benefits ist absolut sinnvoll, da z.B. von mir ausgesuchte und angebotene Benefits nicht genutzt wurden, da sie keinen wirklichen wertvollen Vorteil im Alltag und Leben meiner Mitarbeitenden boten
- Da wir in finanziell angestrengten Zeiten leben (Inflation, Energiekrisen etc.), sind alle Leistungen besonders wertvoll und geschätzt, die den Mitarbeitenden einen finanziellen Vorteil verschaffen (Kosten sparen, Geldkarte, Urlaubszuschuss etc.)
- Ich beziehe meine Mitarbeitenden bei der Wahl ihrer Benefits ein.
- Besondere Freude macht es, ungefragt einen Benefit proaktiv an Mitarbeitende zu geben und dadurch Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen.
Fazit
Nachhaltige, steueroptimierte Benefits sind ein wertvolles Instrument, um Mitarbeitende zu motivieren, (Steuer)Kosten zu sparen und gleichzeitig einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. Mit einer klaren Strategie und durchdachter Kommunikation profitieren alle Beteiligten. Starte jetzt – Deine Mitarbeitenden werden es Dir danken!
Und wenn Du schon über nachhaltige Benefits nachdenkst, macht es Sinn auch direkt über eine eigene Betriebsvereinbarung nachzudenken, um Benefits allgemein für alle transparent zu regeln. Konkrete Ideen dazu findest Du hier:
Beitrag zum Thema: Betriebsordnung – Regeln für ein starkes Miteinander
https://sarahnock.de/nachhaltigkeit-to-go-betriebsordnung/
Beitrag zum Thema: 15 Praxis-Beispiele für nachhaltige Regelungen in der Betriebsordnung
https://sarahnock.de/praxis-tipps-nachhaltige-regelungen-betriebsordnung/
Hi, ich bin Sarah – Unternehmerin, Coach und Biodiversitäts-Enthusiastin aus Berlin. Seit über 10 Jahren entwickle ich ein nachhaltiges Bildungs- und Veranstaltungszentrum, engagiere mich für mehr Biodiversität in der Stadtnatur und begleite Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Hier teile ich Praxistipps, Erfahrungen und Good Practice Beispiele rund um nachhaltige Unternehmensentwicklung und Förderung der Biodiversität.


