Blog für praxisorientiertes Wissen und Erfahrungen zur Förderung von mehr Nachhaltigkeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).
In der Blogserie „Nachhaltigkeit To Go“ erhältst Du praxisorientierte Tipps und Strategien, um nachhaltige Maßnahmen erfolgreich in Deinem Unternehmen umzusetzen. Jeder Beitrag bietet leicht verständliche Anleitungen, konkrete Beispiele und hilfreiche Vorlagen, die nicht nur helfen, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sondern auch die gesetzlichen Berichtspflichten effizient zu erfüllen und gleichzeitig Eure Unternehmenskultur zu stärken.
Einführung
Eine nachhaltige Betriebsordnung ist weit mehr als ein Regelwerk – sie ist ein Grundpfeiler für ein harmonisches, sicheres und nachhaltiges Arbeitsumfeld. Durch eine durchdachte und transparente Betriebsordnung können Unternehmen klare Standards setzen, die nicht nur die Produktivität fördern, sondern auch den Mitarbeitenden das Gefühl geben, wertgeschätzt und geschützt zu sein. In diesem Artikel erfährst Du, wie eine Betriebsordnung so gestaltet werden kann, dass sie zu einem integralen Bestandteil Eurer nachhaltigen Personalstrategie wird und welche konkreten nachhaltigen Regelungen darin verankert werden können.
Was ist eine Betriebsordnung und warum ist sie wichtig?
Die Betriebsordnung ist ein internes, den Mitarbeitenden zugängliches Dokument, das Regeln und Verhaltensrichtlinien für alle Mitarbeitenden eines Unternehmens festlegt. Sie umfasst Themen wie Arbeitszeiten, Sicherheitsvorschriften, Verhalten am Arbeitsplatz, aber auch Regelungen zu Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein. Eine gut durchdachte Betriebsordnung schafft klare Strukturen, minimiert Konflikte und fördert ein gerechtes und nachhaltiges Arbeitsumfeld.
Vorteile einer gut gestalteten Betriebsordnung für Unternehmen
- Allgemeine Regelungen: neue Regelungen können so einheitlich für alle mit einem Dokument geregelt werden, ohne das Arbeitsverträge überarbeitet werden müssen.
- Klarheit und Verbindlichkeit: Eindeutige Regelungen reduzieren interne Missverständnisse und Konflikte.
- Rechtliche Sicherheit: Eine klare Betriebsordnung hilft, rechtliche Anforderungen zu erfüllen und beugt Konflikten vor.
- Förderung der Unternehmenskultur: Sie kann die Werte und Prinzipien des Unternehmens widerspiegeln und verankern.
- Stärkung der Nachhaltigkeitsstrategie: Durch die Einbeziehung nachhaltiger Maßnahmen werden nicht nur ökologische und soziale Ziele verfolgt, sondern auch die Mitarbeitermotivation und -bindung gestärkt.
Vorteile für Mitarbeitende
- Transparenz und Sicherheit: Mitarbeitende wissen genau, was von ihnen erwartet wird und welche Rechte sie haben.
- Wertschätzung und Beteiligung: Eine Betriebsordnung, die auf nachhaltige Praktiken und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden abzielt und gar deren Wünsche und Bedürfnisse mit einbezieht, signalisiert Wertschätzung und fördert die Motivation.
- Gerechte Behandlung: Einheitliche Regeln stellen sicher, dass alle Mitarbeitenden gleich behandelt werden.
Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten
Eine nachhaltig ausgerichtete Betriebsordnung schafft eine Win-Win-Situation: Unternehmen profitieren von klaren Strukturen, rechtlicher Absicherung und einer gesteigerten Attraktivität als Arbeitgeber. Gleichzeitig fühlen sich die Mitarbeitenden durch die Einbeziehung in nachhaltige Maßnahmen wertgeschätzt und motiviert, was ihre Zufriedenheit und Bindung ans Unternehmen stärkt.
Praxis-Beispiele für nachhaltige Regelungen in der Betriebsordnung
1. Ressourcenschonung und Abfallvermeidung
- Regelung: Alle Mitarbeitenden sind verpflichtet, Papier sparsam zu verwenden und auf den Einsatz von Einwegplastik zu verzichten. Mülltrennung ist vorgeschrieben, entsprechend gekennzeichnete und Recyclingstationen sind eingerichtet.
- Vorteil für das Unternehmen: Kosteneinsparungen durch reduzierten Materialverbrauch und Abfall.
- Vorteil für Mitarbeitende: Erhöhung des Umweltbewusstseins und aktive Beteiligung an der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens.
2. Energieeffizienz im Büroalltag
- Regelung: Nach Feierabend müssen alle elektronischen Geräte (Computer, Monitore, Drucker) ausgeschaltet werden. Heizungen und Klimaanlagen werden in einer umweltfreundlichen Temperaturspanne gehalten.
- Vorteil für das Unternehmen: Reduzierung der Energiekosten und des CO2-Fußabdrucks.
- Vorteil für Mitarbeitende: Durch die Beteiligung an energieeffizienten Maßnahmen fühlen sich Mitarbeitende als Teil eines nachhaltigen Unternehmens.
3. Nachhaltige Mobilität
- Regelung: Einführung von Anreizen für nachhaltige Mobilität, wie beispielsweise Zuschüsse für Jobtickets, Fahrradleasing oder Prämien für Mitarbeitende, die mit dem Rad oder zu Fuß zur Arbeit kommen.
- Vorteil für das Unternehmen: Geringere Parkflächenkosten und positive Außendarstellung.
- Vorteil für Mitarbeitende: Finanzielle Vorteile, verbesserte Gesundheit und weniger Stress durch nachhaltige Mobilitätsoptionen.
4. Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeitmodelle
- Regelung: Rahmen und Möglichkeit zur Nutzung von Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten, um den Pendelverkehr zu reduzieren und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu fördern.
- Vorteil für das Unternehmen: Höhere Mitarbeitermotivation und Produktivität, geringere Fluktuation.
- Vorteil für Mitarbeitende: Mehr Flexibilität, geringere Fahrtkosten und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
5. Gesundheitsförderung
- Regelung: Einführung von regelmäßigen Gesundheitstagen, Angeboten für ergonomische Arbeitsplatzgestaltung und Sportmöglichkeiten (z.B. Firmenfitness oder Yogakurse).
- Vorteil für das Unternehmen: Reduzierung von Krankenständen und höhere Mitarbeiterbindung.
- Vorteil für Mitarbeitende: Verbesserte Gesundheit und Wohlbefinden, attraktive Zusatzangebote.
Weitere 15 konkrete Praxis-Beispiele für nachhaltige Regelungen in der Betriebsordnung findest du hier in diesem Beitrag „15 Praxis-Beispiele Regelungen für die Betriebsordnung“.
Beispiel Anleitung zur Einführung einer Betriebsordnung
- Bedarfsermittlung und Mitarbeitereinbindung: Startet mit einer Umfrage unter Euren Mitarbeitenden, um herauszufinden, welche Themen ihnen besonders wichtig sind.
- Erstellung eines Entwurfs: Erarbeitet einen ersten Entwurf, der sowohl die Interessen der Mitarbeitenden als auch die Ziele des Unternehmens berücksichtigt.
- Prüfung durch Experten: Lasst den Entwurf durch Fachleute (z.B. Rechtsanwälte, Nachhaltigkeitsberatende) prüfen, um sicherzustellen, dass alle rechtlichen Anforderungen und Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt sind.
- Kommunikation und Schulung: Stellt sicher, dass alle Mitarbeitenden über die neuen Regelungen informiert werden und verstehen, wie sie sich positiv auf das Unternehmen, die Mitarbeitenden und die Nachhaltigkeit auswirken können.
- Regelmäßige Überprüfung und Anpassung: Überprüft die Betriebsordnung regelmäßig und passt sie an neue gesetzliche Vorgaben oder Unternehmensziele an.
Tipp für die Berichtspflicht
Eine Betriebsordnung kann in der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD als Nachweis für die aktive Einbindung der Mitarbeitenden in die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens dienen, sowie zum Nachweis der aktiven Gestaltung einer Work-Life-Balance für Mitarbeitende. Durch die Dokumentation klarer Regelungen wird die Glaubwürdigkeit und Transparenz des Unternehmens gestärkt.
Meine persönliche Erfahrung mit der Betriebsordnung
Ich selbst nutze die Betriebsordnung konkret um beispielsweise:
- Auf saisonale Besonderheiten meines Betriebs hinzuweisen hinsichtlich Einschränkungen von Urlaubszeiten der Mitarbeitenden während der Hochsaison. Eine nachhaltige Gestaltung jeden Arbeitsplatzes zur Pflicht für alle Mitarbeitenden zu machen und einzuladen mit ihren Kenntnissen und Kompetenzen aktiv zu werden.
- Ein jährliches Budget für Weiterbildungen für jeden Mitarbeitenden bereit zu stellen.
- Besondere erweiterte Home-Office-Möglichkeiten außerhalb der Hauptsaison zu regeln.
- Weitere Benefits wie Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr, Gym-Mitgliedschaften und anderes anzubieten.
Unsere Betriebsordnung wurde gemeinsam mit Mitarbeitenden entwickelt und abgestimmt, was bei allen sehr positiv empfunden wurde. Sie regelt vorallem die Besonderheiten der Hauptsaison (Mehrbelastung, Urlaubssperren & entsprechender Ausgleich außerhalb der Saison) im Betrieb. Sie berücksichtigt außerdem die Wünsche der Mitarbeitenden, die ihnen am wichtigsten sind und einen tatsächlichen Mehrwert bieten.
Wir überprüfen ca. einmal im Jahr die aktuelle Betriebsordnung und ergänzen diese nach Bedarf.
Fazit
Eine Betriebsordnung bietet zahlreiche Vorteile sowohl für Unternehmen als auch für die Mitarbeitenden. Sie schafft Klarheit, fördert ein harmonisches und nachhaltiges Arbeitsumfeld und stärkt gleichzeitig die nachhaltige Personalstrategie. Nutzt diese Chance, um Eure Betriebsordnung als strategisches Instrument für eine erfolgreiche und nachhaltige Zusammenarbeit zu etablieren!
Weiterführende Links
Weitere Praxis-beispiele für nachhaltige Regelungen in der Betriebsordnung:
15 Praxisbeispiele für nachhaltige Regelungen in der Betriebsordnung
Leitfaden zur Erstellung einer nachhaltigen Betriebsordnung:
Typische Regelungen für eine Betriebsordnung: https://www.wirtschaftswissen.de/personalmanagement/mitarbeiterfuehrung/betriebliche-arbeitsordnung-klare-spielregeln-fuer-alle/
Rechtliche Aspekte und Richtlinien für die Erstellung einer Betriebsordnung:
https://kanzlei-herfurtner.de/betriebsordnung/
Kennst Du schon die anderen Beiträge der Blogserie „Nachhaltigkeit to go!?
-> Hier gehts zum nächsten Beitrag zum Thema „Stromkosten senken“.
Hi, ich bin Sarah – Unternehmerin, Coach und Biodiversitäts-Enthusiastin aus Berlin. Seit über 10 Jahren entwickle ich ein nachhaltiges Bildungs- und Veranstaltungszentrum, engagiere mich für mehr Biodiversität in der Stadtnatur und begleite Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Hier teile ich Praxistipps, Erfahrungen und Good Practice Beispiele rund um nachhaltige Unternehmensentwicklung und Förderung der Biodiversität.


