Blog für praxisorientiertes Wissen und Erfahrungen zur Förderung von mehr Nachhaltigkeit in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).
In der Blogserie „Nachhaltigkeit To Go“ erhältst Du praxisorientierte Tipps und Strategien, um nachhaltige Maßnahmen erfolgreich in Deinem Unternehmen umzusetzen. Jeder Beitrag bietet leicht verständliche Anleitungen, konkrete Beispiele und hilfreiche Vorlagen, die nicht nur helfen, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, sondern auch die gesetzlichen Berichtspflichten effizient zu erfüllen und gleichzeitig Eure Unternehmenskultur zu stärken.
Einführung
Nachhaltigkeit wird für Unternehmen aller Größenordnungen – und damit auch für KMU – zunehmend zu einem wichtigen Faktor, um ihre Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu sichern und zu stärken. Welche konkreten Risiken auf Unternehmen und speziell auch auf KMU zukommen können, wenn das Thema Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen nicht angeschaut wird, kannst du hier genauer nachlesen im Beitrag „7 konkrete Risiken für Unternehmen, die nicht nachhaltiger werden“.
Eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen hilft, Handlungsfelder zu identifizieren, Maßnahmen zielgerichtet zu planen, umzusetzen und Erfolge sichtbar zu machen. Zudem hilft eine Nachhaltigkeitsstrategie dabei durch Optimierungen verschiedenster Prozesse und Ressourcen (mehr dazu z.B. in diesen Beiträgen: Energie, Wasser etc.) Kosten zu sparen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Gleichzeitig schafft sie Transparenz gegenüber Kund:innen und Partner:innen.
Besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) stehen vor der Herausforderung, eine passende Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, die zu ihren Ressourcen und Zielen passt. Dieser Beitrag soll dich dabei unterstützen in 6 einfachen Schritten und in wenigen Stunden eine erste Version einer Nachhaltigkeitsstrategie für dein Unternehmen zu verfassen. Diese kannst du nutzen, um dein Engagement gegenüber Dritten wie Geschäftspartner:innen und Kund:innen sichtbar und konkret belegbar zu machen.
Du findest in diesem Beitrag neben hilfreichen Infos und Erläuterungen zur Erstellung deiner Strategie auch eine kostenfreie Mustervorlage als Word-Dokument zum Download. Nimm dir ein paar Stunden Zeit und verfasse noch heute deine erste eigene Version einer Nachhaltigkeitsstrategie.
Zahlen & Fakten zur Nachhaltigkeitsstrategie in KMU
Warum es Sinn macht das Thema jetzt anzugehen:
Aktuelle Studien zeigen, dass das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in Unternehmen stark gestiegen ist. Laut der repräsentativen Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2024“ des Umweltbundesamtes halten rund 80 Prozent der Unternehmen Nachhaltigkeit für einen wichtigen Erfolgsfaktor ihrer zukünftigen Entwicklung. Dennoch verfügen laut KfW-Mittelstandspanel 2024 etwa 60 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bislang über keine formale Nachhaltigkeitsstrategie. Das unterstreicht, wie groß das Potenzial und der Handlungsbedarf für strukturierte und praxisnahe Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Mittelstand weiterhin ist.
(Quellen: Umweltbundesamt 2024, KfW-Mittelstandspanel 2024)
Download der Mustervorlage „Einfache Nachhaltigkeitsstrategie“
Warum eine Nachhaltigkeitsstrategie für KMU wichtig ist
Eine Nachhaltigkeitsstrategie…
- schafft Orientierung im Bereich Nachhaltigkeit: Sie definiert Handlungsspielräume, klare Ziele und Prioritäten
- erhöht Effizienz: Ressourcen werden gezielter eingesetzt, Kosten gesenkt.
- stärkt das Image: Nachhaltigkeit wird Bestandteil der Unternehmensstrategie und dank konkreter Ansätze glaubwürdig kommuniziert.
- erfüllt Berichtspflichten: Sie liefert die Basis für Nachhaltigkeitsberichte und Zertifizierungen.
- erhöht die Erfolgschancen von Nachhaltigkeitsprojekten deutlich und erleichtert die Einbindung aller Mitarbeitenden.
Vorteile für Unternehmen
Eine Nachhaltigkeitsstrategie bietet:
- Klarheit und Fokus: sie vermeidet zielloses „Nachhaltigkeits-Chaos“ und zeigt konkrete Handlungsspielräume auf.
- Innovation, Flexibilität & Effizienz: sie unterstützt dabei in allen Bereichen einen kritischen Blick auf den Status Quo zu werfen und sich mit neuen, zukunftsorientierten Prozessen, Technologien und Lösungen auseinander zu setzen, flexibler und damit effizienter zu werden.
- Wettbewerbsvorteile: Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Entscheidungskriterium für Kund:innen und Geschäftspartner:innen.
- Mitarbeiterbindung: Nachhaltige Werte steigern die Motivation und helfen bei der Fachkräftegewinnung.
Vorteile für Mitarbeitende
Eine Nachhaltigkeitsstrategie fördert:
- Verständnis & Engagement: Mitarbeitende verstehen den Sinn hinter Maßnahmen.
- Mitgestaltung: Sie können aktiv zur Umsetzung beitragen.
- Zufriedenheit: Ein nachhaltiges Unternehmen wirkt attraktiver.
Praktische Anleitung mit Beispielen: in 5 Schritten eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln
Schritt 1: Überblick verschaffen – vorhandene Daten und Maßnahmen sammeln
1. Status quo analysieren
- Erfasse, welche nachhaltigen Maßnahmen bereits bestehen, welche Ressourcen (z.B. Energie, Material) genutzt werden und wo Verbesserungen möglich sind.
- Stakeholder einbinden: Befrage Mitarbeitende, Kund:innen und Lieferanten zu Erwartungen und Ideen.
- Definiere erste offensichtliche Handlungsfelder mit einfachem Optimierungspotential.
Schritt 2: Ziele SMART formulieren (Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert)
- Setze konkrete, messbare Ziele, wie z.B. CO₂-Reduktion um 20 % in 3 Jahren oder Abfallvermeidung um 30 % bis zum Jahr X.
- Ziele nach SMART-Regel formuliert, ermöglichen einen effizienten Prozess, da Ideen hier nicht nur lose und vage formuliert (man könnte mal, man müsste.. etc.) und ggf. im Alltag vergessen werden, sondern fest und konkret in die Geschäfts- bzw. Jahresplanung verankert werden können.
Schritt 3: Maßnahmenkatalog erstellen – von kleinen Quick Wins bis zu langfristigen Projekten
- Wähle Maßnahmen aus, die schnell Wirkung zeigen und zu Deinem Unternehmen passen (z.B. Energiesparlampen, Lieferantenbewertung, Mitarbeiterschulungen).
- Konzentriere dich zunächst auf die einfachen schnellen und kostengünstigen Maßnahmen, die so genannten „Low Hanging Fruits“ oder auch „Quick Wins“, um direkt spürbare Erfolge zu erzielen, intern zu motivieren und so langfristig ein Nachhaltigkeitsmanagement in Gang zu setzen
Schritt 4: Zeitplan und Verantwortlichkeiten definieren
- Bestimme eine:n Nachhaltigkeitsbeauftragte:n oder ein kleines Team, das die Umsetzung koordiniert.
- Lege einen konkreten Zeitplan zu Umsetzung fest
Schritt 5: Interne und externe Kommunikation planen
- Kommunikation und Schulung: schaffe Bewusstsein für das Thema im Team durch Vorstellung der ersten Nachhaltigkeitsstrategie
- Informiere alle Mitarbeitenden regelmäßig über Fortschritte und motiviere zur Mitwirkung.
- Berichte erste Erfolge auch nach außen an Kunden und Partner
Schritt 6: Monitoring einrichten – z.B. jährliche Fortschrittsberichte
- Erfolg messen und anpassen: Überwache Kennzahlen und passe Maßnahmen bei Bedarf an.
- Übergang in ein dauerhaftes Nachhaltigkeitsmanagement: definiere in regelmäßigen Abständen (z.B. 1 Jahr) neue Ziele und Maßnahmen und etabliere so einen Prozess zur stetigen Verbesserung der Nachhaltigkeit im Rahmen der unternehmerischen Möglichkeiten.
Download der Mustervorlage „Einfache Nachhaltigkeitsstrategie“
Tipp für Berichtspflichten
Dokumentiere konkret umgesetzte Maßnahmen und erreichte Erfolge wie z.B. Einsparungen klar und strukturiert, um diese gezielt für Deine Nachhaltigkeitsberichterstattung (z.B. nach der CSRD, VSME oder im Rahmen des DNK – Deutscher Nachhaltigkeitskodex) sowie für Nachhaltigkeits-Zertifizierungen nutzen zu können. Dadurch machst Du Dein Engagement sichtbar, nachvollziehbar und belegbar.
Persönliche Erfahrungen: neue Möglichkeiten!
Hier einige beispielhafte Erfolge und Auswirkungen unserer Arbeit mit einer Nachhaltigkeitsstrategie:
Meine Low Hanging Fruits – schnelle Erfolge
Im eigenen Unternehmen haben wir mit einer einfachen Bestandsaufnahme gestartet und schnell erkannt, dass viele kleine kostengünstige Maßnahmen zusammen viel bewirken können:
- So haben wir als erstes dank einer genauen Bestandsaufnahmen an Geräten und Ressourcen-Prozessen mit einfachen, teils kostenlosen Mitteln eine Menge Energie-, Wasser- und Müllkosten eingespart.
- Durch die Analyse unserer Lieferanten und Partner auf Nachhaltigkeit, haben wir neue Produkte und Services entdeckt, die besser zu unseren Prozessen und Nachhaltigkeitszielen passen und damit auch unseren eigenen Vertrieb gestärkt haben.
- Parallel hat es dazu geführt, das wir von Lieferanten und Partnern im Bereich Nachhaltigkeit kompetenter und zeitgemäßer wahrgenommen werden.
- Durch das Schulen von Mitarbeitenden konnten wir viel Motivation und Bewusstsein für das Thema aktivieren, was dazu führte, dass das Team weitere einfache Maßnahmen im Alltag und Mikroprozessen gefunden hat, die uns effizienter und nachhaltiger machen.
- Unsere Strategie wird jährlich überprüft und weiterentwickelt – das schafft Transparenz und Motivation im Team.
Langfristig Nachhaltigkeit erfordert Kreativität: Neue Geschäfts-Chancen
Durch die angestossenen Prozesse im Unternehmen und Team und nach den ersten schnellen einfachen Erfolgen, hat sich eine weit größere Chance für uns aufgetan – wir konnten neue Märkte bzw. Produkte und Leistungen für uns entdecken und etablieren:
- Eigene, neu definierte Standards an Geschäftspartner haben zu intensiven Gesprächen mit diesen geführt. Entgegen unserer Sorge hier auf Widerstände zu stoßen, wurde das Thema dankend angenommen und wir konnten so teils gemeinsam, teils inspiriert neue geschäftsfelder für uns identifizieren und etablieren.
- Darüber hinaus haben gerade die intensiven Gespräche auch dazu geführt, das wir unsere eigenen Leistungen und damit auch Umsätze und Margen optimieren konnten.
- Die Entscheidung und einer Zertifizierung anzuschließen, hat uns vorallem auch in der Außenkommunikation und im Vertrieb spürbar gestärkt. Wir konnten unser Selbstbewusstsein für unsere Produkte und Leistungen dank belegbarer Maßnahmen und Erfolge enorm steigern und das übertrug sich auch in unsere Preisgestaltung und -argumentation.
- Nachhaltigkeitsmanagement ist aus meiner Sicht das beste Risk Management Tool für KMU. Wir gehen dank einer 360° Analyse unseres Betriebs in allen Themen gestärkt und wachsam in die Zukunft. Wir haben in allen Bereichen nicht nur eine Idee, wo die künftigen Herausforderungen liegen und wie wir diesen begegnen können, sondern auch etablierte Optimierungsprozesse, die uns erlauben schnell, agil und flexibel zu agieren im Team.
Fazit – eine besondere Chance für KMU!
Eine Nachhaltigkeitsstrategie ist keine zusätzliche, nervige bürokratische Hürde, sondern mit strukturiertem Vorgehen gut, einfach und effizient umsetzbar. Sie hilft, Ressourcen zu sparen, Kosten zu senken und das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Erste Schritte wie eine Bestandsaufnahme, klare Ziele und die Einbindung der Mitarbeitenden sind besonders wichtig und können sofort gestartet werden.
Gerade für KMU Unternehmen bietet die Nachhaltigkeit enorme Chancen, da hier in der Regel flache Hierarchien und agile Teams – gegenüber starren und komplexen Konzernstrukturen – ein besonderes Potential bieten, alle Vorteile und Chancen aus dem Prozess der Einführung und Fortführung einer Nachhaltigkeitsstrategie voll ausschöpfen zu können!
Rückfragen & Unterstützung
Du hast Rückfragen zu diesem Thema oder suchst konkrete Unterstützung bei der Entwicklung Deiner Nachhaltigkeitsstrategie?
Dann schreibe mir gerne eine Email an:
hallo (ät) sarahnock (punkt) de
Ich melde mich persönlich mit konkreten Tipps und Hilfestellungen bei Dir zurück.
Hi, ich bin Sarah – Unternehmerin, Coach und Biodiversitäts-Enthusiastin aus Berlin. Seit über 10 Jahren entwickle ich ein nachhaltiges Bildungs- und Veranstaltungszentrum, engagiere mich für mehr Biodiversität in der Stadtnatur und begleite Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Hier teile ich Praxistipps, Erfahrungen und Good Practice Beispiele rund um nachhaltige Unternehmensentwicklung und Förderung der Biodiversität.


